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Das war unser 1. Kletterkurs

28.06.2017 – Und schon ist es wieder vorbei! Am vergangenen Mittwoch haben wir unseren ersten Kletterkurs für kletterbegeisterte Flüchtlinge erfolgreich abgeschlossen. Seit Mitte April konnten wir fünf Flüchtlingen in zehn Einheiten á 2 Stunden sowohl Theorie als auch Praxis des Klettersports näher bringen.

Begonnen wurde jede Einheit mit einem gemeinsamen Aufwärmen in Form von Laufen oder Fußballspielen und gezielten Übungen für Schultern, Handgelenke, Finger und Beine. Danach konnte es auch schon losgehen.

In den ersten Einheiten legten wir den Schwerpunkt auf die Theorie. Diese beinhaltete die Kletterregeln, wie etwa den Partnercheck, die klare Kommunikation zwischen Kletterndem und Sicherndem und das richtige Verhalten an und um die Wand. Aber auch Materialkunde (Gurt, Schuhe, Seil, verschiedene Karabiner, etc.) und Knotengrundkenntnisse, vor allem der Doppelachter, standen auf dem Programm. Freilich wurde in diesen ersten Einheiten auch schon eifrig geklettert und wichtige Klettertechniken, wie das Klettern am langen Arm und die Beachtung des Schwerpunkts (Stichwort „offene Tür“), vermittelt.

Weiter ging es in den nächsten Einheiten mit den Grundkenntnissen des Steigens und Greifens. Das genaue Steigen mit Innen- und Außenrist (aber nur mit der Spitze des Schuhs!) und Fußwechsel auf einem Tritt wurden geübt. Aber auch das Eindrehen, um den Schwerpunkt möglichst nah an die Wand zu bringen, war bereits Teil der Ausbildung. Ebenso wie das richtige Steigen wurde auch das richtige Greifen, also die richtige Verwendung der unterschiedlichen Griffarten, vermittelt. Dazu wurden zuerst einmal die verschiedenen Grifftypen (Leisten, Aufleger, Untergriff, Zange, etc.) gezeigt und die beste Art, wie diese gehalten und belastet werden können, besprochen. Hierzu kamen auch die unterschiedlichen Fingerpositionen (aufgestellt oder offen) und deren Vor- und Nachteile. Das alles wurde natürlich nicht nur theoretisch besprochen, sondern auch an verschiedenen Routen und beim Bouldern ausprobiert. Schon nach diesen ersten vier Einheiten konnten wir eine Verbesserung – nicht nur in der Schwierigkeit der Routen, sondern auch der Technik – unserer Teilnehmer beobachten.

Die nächsten Kurseinheiten waren dann dem Thema Sichern gewidmet. Zu Beginn wurden die korrekten Kommandos und die richtige Haltung beim Sichern (guter Stand, Hand nie vom Bremsseil!), sowie das richtige Ablassen vermittelt. Dies wurde zuerst mit einem Smart und im Toprope geübt, bevor auch weitere Sicherungsgeräte und -techniken, wie etwa Tuber, GriGri und Halbmastwurfsicherung vorgestellt wurden. Das Gute am Erlernen des Sicherns ist, dass es immer jemanden braucht der klettert. Und so konnten auch die Klettertechniken der ersten Einheiten von unseren Teilnehmern weiter vertieft werden.

Ein weiterer Teil der Ausbildung behandelte das richtige Stürzen: Nicht in das Seil oder gar in eine Expressschlinge greifen, sondern sich mit den Händen stabilisieren und schützen, und die Füße nach vorne, um den Sturz gegen die Wand abzufedern, waren hier die wichtigsten Tipps.

Abschließend wurde freilich noch das Vorstiegsklettern behandelt. Sowohl aus der Sicht des Kletternden, als auch aus der des Sichernden gibt es hier einiges zu beachten. Der Sichernde muss genügend Seil ausgeben, um ein flüssiges Klettern zu ermöglichen. Aber auch nicht zu viel um hohe Stürze zu vermeiden. Außerdem ist die Belastung bei einem Sturz eine höhere als im Toprope, wo das Seil immer recht straff gespannt ist. Für den Kletternden ist das wichtigste natürlich das richtige (Seilführung beachten!) und möglichst kraftsparende Clippen (Einhängen des Seils in die Expressschlingen). Aber auch die Überwindung der Angst vor höheren Stürzen ist beim Vorstiegsklettern essentiell.

Das war also der erste Kletterkurs für Flüchtlinge von unserem Verein Miteinander am Berg und hoffentlich nicht der letzte. Denn die kletter- und sicherungstechnischen Fähigkeiten unserer fünf Teilnehmer haben sich, wie wir geplant haben, enorm verbessert und auch der Spaß am Klettern ist dabei nicht zu kurz gekommen. Ihre erworbenen Fähigkeiten können unsere Teilnehmer am kommenden Wochenende auch an einer echten Felswand (nicht nur in der Halle) unter Beweis stellen. Dann fahren wir nämlich gemeinsam zum Abschluss des Kurses in eine Selbstversorgerhütte auf der Wurzeralm und zum Klettergebiet Rote Wand!

Diese Aktion entstand in Zusammenarbeit und mit Unterstützung des Alpenverein Edelweiss – Wir bedanken uns vielmals für die Bereitstellung der Kletterhalle Vienna City Rock und des Materials!

Mitwirkende: Marilena Bertacco, Simon Biegl, Manuel Gabteni, David Pleschko, Milad Ziaeimehr, Georg Zimmermann

Fotos: Marilena Bertacco, Georg Zimmermann

Text: David Pleschko

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