Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Kletterwochenende auf der Wurzeralm

Am Freitag, dem 07. Juli 2017, war es endlich soweit. Nachdem wir über zwei Monate hinweg einer Gruppe von Flüchtlingen in einem Kletterkurs die Grundlagen des Kletterns und Sicherns vermittelt haben, galt es die erlernten Fähigkeiten nun auch außerhalb der Halle und ihrer Plastikgriffe am Fels umzusetzen. Darum fuhren wir zum Abschluss des Kletterkurses gemeinsam in das Naturfreundehaus auf der Wurzeralm, um im Gebiet der Roten Wand klettern zu gehen.
Die Anreise erfolgte am Freitag Vormittag in zwei Gruppen, wobei die eine im Auto und die andere mit dem Zug unterwegs war. Treffpunkt war Spital am Phyrn, wo wir gemeinsam überlegten, was es in den nächsten Tagen zu essen geben sollte. Beim Naturfreundehaus handelt es sich nämlich um eine Selbstversorgerhütte. Schnell wurde entschieden und eingekauft, bevor es mit der Standseilbahn bequem in etwa 1400 Meter Höhe auf die Wurzeralm ging. Diese Bergfahrt war bereits das erste Highlight für unsere Gruppe und es wurden eifrig Fotos geknipst.

Oben angekommen war es nur ein kurzer Fußmarsch zu unserem Quartier, wo wir unser Bettenlager bezogen und von der Besitzerin des Hauses alles wissenswerte und zu beachtende erklärt bekamen. Das Naturfreundehaus Wurzeralm gehört definitiv zu den komfortableren Berghütten, denn es sind neben den Schlafräumen und der gemütlichen Stub’n, zwei große Küchen, zwei Duschen und sogar eine Geschirrspül- und eine Waschmaschine (!) vorhanden.

Nachdem dieser Tag noch ohne größere Anstrengungen vergangen war, entschlossen wir uns vor dem Abendessen noch eine kleine Erkundungstour zu unternehmen. So marschierten wir um den „Teichlboden“ und genossen die wunderschöne Almlandschaft und die herrlichen Berge und Wände, die diese umgeben. Außerdem fiel sofort die deutlich bessere Bergluft im Vergleich zur Wiener Stadtluft auf und auch vom frischen und klaren Wasser wurde bereits gekostet. Nach etwa eineinhalb Stunden Wanderung mit vielen Pausen, um Fotos zu machen und die verschiedensten Informationstafeln, die entlang des Weges aufgestellt sind, zu studieren, fanden wir uns wieder in unserer Unterkunft ein. Mit dem nun aufkommendem Appetit machten wir uns gemeinsam an die Zubereitung unseres ersten gemeinsamen Abendessens: dem österreichischen (und auch Berghütten-) Klassiker Kaiserschmarrn. Den Abend ließen wir dann mit einigen Partien UNO ausklingen, bevor wir uns in unsere Hüttenschlafsäcke verkrochen.

Den nächsten Tag begannen wir gemütlich und in aller Ruhe mit einem gemeinsamen Frühstück. Danach machten wir uns daran das für den Klettertag benötigte Material und die Verpflegung aufzuteilen, damit das doch beträchtliche Gewicht der Ausrüstung auf uns alle verteilt war. Nachdem alles organisiert und in den Rucksäcken verstaut war, waren wir für den Abmarsch bereit.

Den ersten Teil des Weges kannten wir bereits von unserer kleinen Erkundung am Vortag, doch auch jetzt konnte in der bildhübschen Landschaft noch Neues entdeckt werden. Der Zustieg zu unserem Kletterdomizil dauerte länger als erwartet, doch frei nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ war auch diese Wanderung durch Almen und kleine Wälder und später engen Serpentinen und Latschen am Berghang entlang eine schöne Erfahrung.

An unserem Ziel, dem Rote Wand Sattel, angekommen, war erst einmal Zeit für eine Pause und eine Stärkung in Form von Bananen, Müsliriegel und Nüssen. Mit neuer Energie konnten wir uns dann ans Klettern machen. Zum Aufwärmen richteten wir eine kurze und eine etwas längere Route im oberen vierten Grad ein, die von unseren Jungs schnell und souverän bewältigt wurden. Nach diesem Auftakt, der die Anstrengungen des Zustiegs vergessen ließ, war die Zeit für eine Herausforderung gekommen; eine Route im unteren VI. Grad. Auch diese Route wurde unter der motivierenden Anfeuerung der restlichen Gruppe von den meisten erklettert und das Erreichen des Tops mit Erinnerungsfotos gefeiert.

Bedauerlicherweise wurde unsere Klettersession, gerade als die ultimative Herausforderung – eine Route im unteren siebten Grad – eröffnet werden sollte, durch einen Regenschauer unterbrochen und abgekürzt. Der Regen hörte bereits nach ein paar Minuten auf, jedoch war ein weiteres Klettern am nassen Fels leider nicht möglich.

Aus diesem Grund nahmen wir den Abstieg in Angriff, wobei wir einen anderen Weg als beim Aufstieg einschlugen, um noch mehr von dem wunderschönen Naturschutzgebiet rund um die Wurzeralm zu erkunden. Außerdem legten wir einen Zwischenstopp in der Dümlerhütte mit Radler und Hollersaft ein, um uns in der wieder scheinenden Sonne ein wenig zu trocknen und zu entspannen.

Nach etwa eineinhalb Stunden kamen wir in unserer Hütte an, wo wir bei einer großen Grillerei, ein paar Bier und wieder einigen Partien UNO den anstrengenden Tag bei geselliger und lustiger Stimmung ausklingen ließen.

Am nächsten Tag hieß es nach dem Aufstehen gleich Zusammenpacken und Haus reinigen. Wir hatten vor ein anderes Klettergebiet zu besuchen und deshalb checkten wir aus und verließen die sonnige Wurzeralm. Nach einer gemütlichen Talfahrt mit der Standseilbahn begaben wir uns zum Burgstall Klettergarten bei Untergrimming.
Trotz hervorragenden Wetters, waren nur wenige Kletterer anwesend. Das hieß genügend Platz für uns, doch jetzt mussten wir erst mal Routen finden, die unserem Schwierigkeitsgrad entsprachen – noch sind unsere Jungs ja eher als Anfänger zu bezeichnen. Die Müdigkeit durch die Wanderung des Vortages war bald vergessen und die ersten beiden Routen im oberen fünften Schwierigkeitsgrad rasch im Toprope eingehängt. Jeder versuchte nun wieder seine Klettertechnik zu verfeinern und das Sichern mit Grigri und Smart kann man ohnehin nie genug trainieren. Mit entsprechendem Anfeuern („Hussein, du schaffst es!“) kam jeder zum Top und versuchte auch die eine oder andere Variante über Platten und leichte Überhänge zu nehmen.
Nach einem Mittags-Restl-Essen, bei dem das Grillgut vom Vorabend, gemeinsam mit den restlichen Äpfeln, Traubenzucker und Brot vernichtet wurden, hieß es zum letzten Mal zusammenpacken. Teils mit dem Auto, teils mit dem Zug von Leoben wurde die Heimreise angetreten. Schöne Erinnerungen, ein tolles Kontrastprogramm zum recht eintönigen Alltag in Wien und wieder ein wenig mehr Klettererfahrung sind das Resümee dieses Wochenendes.
Wir werden unsere Kletterevents in monatlichen Abständen weiterführen und nächstes Jahr hoffentlich wieder einen Kletterkurs mit neuen TeilnehmerInnen veranstalten können.

Eine Aktion des Vereins Miteinander am Berg in Kooperation mit dem Alpenverein Österreich, Sektion Edelweiss und Sektion Austria.

Mitwirkende: Marilena Bertacco, Simon Biegl, David Pleschko, Milad Ziaeimehr, Georg Zimmermann

Fotos: Georg Zimmermann

Text: David Pleschko, Georg Zimmermann

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.